Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leserin, lieber Leser,

können Sie mit wenigen Worten sagen, wer Sie sind und was Sie glauben?

Paulus ist dies in einem Satz gelungen, der uns als Monatsspruch für Juni in die­sem Jahr begleitet: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1. Kor. 15, 10).

Paulus schreibt diesen Satz, während er davon berichtet, wie ihm der auferstan­dene Christus erschienen ist. Durch diese Offenbarung wurde Paulus vom Chris­tenverfolger zum überzeugten Christen. Er legte seinen alten Namen (Saulus) ab und wurde so vom Saulus zum Paulus, wie es inzwischen sprichwörtlich heißt. Er reiste durch die Welt, um möglichst vielen Menschen von Jesus Christus zu erzäh­len. Er predigte, gründete Gemeinden, taufte und blieb mit vielen Gemeinden über seine Briefe in Kontakt.

All das – so Paulus – hat er nicht sich selbst zu verdanken, sondern es geschieht aus Gottes Gnade. Gnade ist Gottes freies Handeln, sein Geschenk an uns. Aus Gnade erschien er Paulus und verzieh ihm, dass dieser sich gegen die christlichen Gemeinden gestellt hatte. Aus Gnade wendet Gott sich immer wieder neu jedem Menschen zu und vergibt Sünden.

Ohne Gottes Gnade, ohne seine Zuwendung und Vergebung ist menschliches Le­ben nicht möglich. Denn schon unser Menschsein, sowie unsere Begabungen und Talente verdanken wir Gott. Gnadengaben nennt Paulus diese. Jeder Mensch hat sie von Gott geschenkt bekommen, ist somit einzigartig und besonders begabt. Nicht jeder kann alles, aber jeder ist mit seinen Gaben, Begabungen und Talenten ausgestattet worden. Erst gemeinsam können wir dann unseren Glauben als Ge­meinde leben.

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“, heißt also, dass wir nichts aus uns selbst leisten können und leisten müssen, sondern von Gott beschenkt sind. Diese Einstellung schützt uns vor Überheblichkeit und Hochmut: Nicht wir allein meistern unser Leben – sondern wir leben, weil Gott uns Leben schenkt. Diese Haltung kann im Glauben und in Dankbarkeit Gott gegenüber ihren Ausdruck finden.

Zugleich kann uns dieser Vers selbstbewusst machen. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“,  bedeutet, dass ich – so wie ich bin – von Gott gewollt bin. Ich brauche mich und meine Begabungen nicht verstecken und klein reden. Sie sind Geschenke Gottes und dürfen genutzt und eingebracht werden. So selbstbewusst wie ich zu mir und meinen Begabungen stehen kann, so kann ich auch anderen Menschen begegnen. Auch sie sind von Gott mit Begabungen ausgestattet – auch sie sind gewollt. Ich kann und muss ihnen auf Augenhöhe begegnen.

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ ist also ein kurzes, überzeugendes Glaubensbekenntnis, das wir von Paulus übernehmen können.

Ich grüße Sie herzlich,

Ihre Pfarrerin Angela Rascher

© 2012 Evangelische Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg